Kaffeehauskultur

Essen & Trinken. Ein Besuch dieser typisch Wiener Institution darf bei Ihrem Wien-Besuch auf keinen Fall fehlen. Ganz egal ob historisches Literatencafé oder moderne Espresso-Bar, Wiens Kaffeehäuser sind ein fixer Bestandteil der Stadt.

Wie der Kaffee nach Wien kam…

Café Central im Palais Ferstl

Café Central im Palais Ferstl

Der Legende nach kamen die ersten Kaffeebohnen Ende des 17. Jahrhunderts während der 2. Wiener Türkenbelagerung nach Österreich. Man erzählt, dass es den Wienern gelungen war, die Türken überraschend schnell aus der Stadt zu vertreiben. Lebensmittelvorräte ließen sie in ihren Lagern zurück, dabei fanden sich auch einige Säcke voll Kaffeebohnen, welche man zuvor noch nicht kannte. Nach einigen Versuchen, schaffte man es, aus den Bohnen ein wohlschmeckendes Heißgetränk herzustellen. Gleichzeitig beauftrage man einen Zuckerbäcker, ein passendes Gebäck zum Kaffee zu kreieren – die Geburtsstunde des Kipferls. Die Form sollte an den islamischen Halbmond und somit an die Herkunft des ersten Kaffees erinnern.

Im Café Central

Im Café Central

Das erste Kaffeehaus wurde nachweislich 1685 von einem Armenier gegründet, dem die Ausschank von Kaffee vorbehalten war. Dieses neuartige Getränk war bei der Bevölkerung so sehr beliebt, dass bis 1900 über 600 Kaffeehäuser in Wien existierten – auch wenn der Zutritt vorerst nur Herrn vorbehalten war. Man ging ins Kaffeehaus, um zu lesen, zu spielen oder zu rauchen. Um die Jahrhundertwende entdeckten schließlich Schriftsteller das Kaffeehaus als neuen Ort des Schaffens, es entstand die so genannte Kaffeehausliteratur. Berühmteste Vertreter sind Peter Altenberg und Friedrich Torberg.

Doch auch bei Politikern, Künstlern und Wissenschaftlern standen die Kaffeehäuser – zu dieser Zeit waren sie aus dem Stadtbild schon nicht mehr wegzudenken – Hoch im Kurs.

Arthur Schnitzler, Stefan Zweig, Gustav Klimt, Egon Schiele und Adolf Loos zählten zur Stammkundschaft der Kaffeehäuser.

Kaffeespezialitäten

Die Auswahl an verschiedenen Kaffeespezialitäten scheint schier unendlich zu sein. Auch wenn es schwer fallen sollte, sich zu entscheiden, eines sollten Sie bitte nie tun: einfach nur „Kaffee“ bestellen. Hier ein kleines Kaffee-ABC:

Standardgetränk ist der Schwarze oder Mokka, jeweils klein oder groß. Durch Zugabe von Obers bekommen Sie einen kleinen bzw. großen Braunen, ein wenig mehr und es wird eine Schale Gold. Ein kleiner Schwarzer mit der doppelten Menge Wasser (daher weniger stark) nennt sich Verlängerter, mit aufgeschäumter Milch wird daraus eine Melange. Oft wird diese fälschlicherweise mit Schlagobers serviert, dass wäre eigentlich ein Franziskaner (Cappuccino). Beim Milchkaffee, bzw. Kaffe verkehrt (bekannt auch als Café Latte) gilt das Mischungsverhältnis doppelt so viel Milch wie Kaffee.

Damir aber noch nicht genug. Neben diesen Standardzubereitungsarten kommen noch unzählige Spezialitäten dazu. Bestellen Sie einen Einspänner, und Ihr Kaffee wird mit viel Schlagobers im Glas serviert. Hochprozentige Zusätze werden dem Fiaker-Kaffee (Verlängerter mit Rum und Schlag) und der Maria Theresia (Mokka im Stielglas mit Orangenlikör) zugesetzt. Weniger bekannt sind die Kaisermelange (serviert mit Eidotter und Cognac) oder der Überstürzte Neumann (zuerst die Milch, dann der Kaffee). Und im Sommer empfiehlt sich natürlich, einmal einen Wiener Eiskaffee mit Vanilleeis und Schlagobers zu probieren.

Ganz egal, wofür Sie sich auch entscheiden, das besondere am Wiener Kaffeehaus ist die ganze Atmosphäre. Das etwas staubige, aber umso gemütlichere Interieur, der freundliche Herr Ober, die große Mehlspeisenvitrine und vor allem, die Menschen, welche das Kaffeehaus besuchen. Wir haben hier für Sie einige besonders empfehlenswerte oder historisch interessante Häuser ausgewählt.

Café Central

Das 1860 eröffnete Café wird vor allem aufgrund seiner Stammgäste aus früheren Zeiten häufig als das berühmteste Kaffeehaus der Welt bezeichnet. Peter Altenberg, Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal und Sigmund Freud besuchten regelmäßig das Central. Ende des Zweiten Weltkrieges musste es jedoch schließen. Mit der Renovierung des Palais Ferstel konnte auch das Literatencafé wiedereröffnet werden. Täglich Klaviermusik, Wiener Küche und feine Mehlspeisen locken heute vor allem Touristen an.

1. Bez., Herreng. 14, Mo–Sa 7.30–22 Uhr, So 10–22 Uhr.
U3 Bus 1A, 2A, 3A Herrengasse.  +43 1 5333763-24,  palaisevents.at

Café Griensteidl

Das ursprüngliche, 1847 gegründete Café Griensteidl, existiert in heutiger Form nicht mehr. Bis zum Abriss des Palais Dietrichstein Ende des 19. Jahrhunderts war es beliebter Treffpunkt bedeutender Persönlichkeiten, Literaten und Musiker. Zuvor trafen sich im Griensteidl vor allem Politiker, was eine kurzweilige Umbenennung auf National-Café zur Folge hatte. 1990 wurde an gleicher Stelle ein neues Café Griensteidl eröffnet, welches sich ebenso großer Beliebtheit erfreut.

1. Bez., Michaelerplatz 2, Täglich 8-23:30 Uhr  +43 1 53526920,  cafegriensteidl.at/.
U3 Herrengasse Bus 1A, 2A, 3A Michaelerplatz

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